Trockenzeit

TROCKNUNGS- UND HÄRTUNGSVERFAHREN Unter Trocknung versteht man nach ISO 4618 den Übergang eines flüssigen Beschichtungsstoffes in den festen Zustand. Bei diesem Prozess der Filmbildung wird in Trocknung und Härtung unterschieden. Im weiteren Sinne versteht man unter Trocknung einen physikalischen Vorgang, der durch Wärmezufuhr beschleunigt werden kann. Die rein chemische Härtung bezeichnet die Vernetzung des Beschichtungsstoffes. Je ...

TROCKNUNGS- UND HÄRTUNGSVERFAHREN

Unter Trocknung versteht man nach ISO 4618 den Übergang eines flüssigen Beschichtungsstoffes in den festen Zustand. Bei diesem Prozess der Filmbildung wird in Trocknung und Härtung unterschieden. Im weiteren Sinne versteht man unter Trocknung einen physikalischen Vorgang, der durch Wärmezufuhr beschleunigt werden kann. Die rein chemische Härtung bezeichnet die Vernetzung des Beschichtungsstoffes. Je nach Bindemittelart erfolgt die Vernetzung durch Polyaddition, Polymerisation oder Polykondensation.

Der wesentliche Unterschied des Trocknungs- und Härtungsverfahrens liegt darin, dass während der Trocknung primär die Filmbildung durch Abgabe des Lösemittels (physikalische Trocknung) erfolgt. Je nach Bindemittelart beginnt die Vernetzung parallel oder anschließend. Für die chemische Härtung ist Voraussetzung, dass im Bindemittelsystem reaktive Gruppen enthalten sind, die sich zu Polymeren vernetzen können.

Somit ist ein Beschichtungsstoff erst vollständig „ausgehärtet“, wenn das Lösemittel vollständig aus dem System verdunstet ist und die Bindemittelpolymere vernetzt sind.

Zwei-Komponentenlacke (2K Lacke) sind Mischformen, bei der zunächst die physikalische Trocknung durch Verdunstung der Lösemittel beginnt. Durch chemische Härtung vergrößert sich die Struktur. Somit wird der 2K Lack lösemittel-, chemikalien- und wetterbeständig.

Filmbildeprozesse steuern und überprüfen

Um die verschiedenen Trockengrade zu überprüfen, stehen verschiedene Prüfverfahren zur Verfügung. Eine optimale Erfassung der Trockenstufen erreicht man mit einem Trockenzeitrekorder. Der Beschichtungsstoff wird hierbei mit einer speziell angefertigten Rakel auf spezielle Glasstreifen per Hand aufgerakelt. Nach dem Einlegen der Glasstreifen in den Trockenzeitrekorder wird das Gerät eingeschaltet. Mit konstanter Geschwindigkeit fahren mehrere Nadeln über die „antrocknende“ Beschichtung. Die unterschiedlichen Trockenphasen lassen sich aufgrund verschiedener Stadien der Trocknung und somit der entstandenen Ritzspuren bestimmen. Um die Temperatur zu ermitteln, die bei der Verarbeitung von Dispersionen nicht unterschritten werden darf, kann diese mit einem MFFT bestimmt werden. Werden beispielsweise Dispersionen bei niedrigen Temperaturen aufgetragen, so reicht die Fließfähigkeit der Kunststoffmonomere nicht mehr aus, nach der physikalischen Trocknung des Lösemittels (Wassers) einen Film zu bilden. Es kann somit zu Rissbildungen und Abplatzungen im Beschichtungssystem kommen.

Mischverhältnisse einhalten

Weiter muss besonders bei 2K Systemen darauf geachtet werden, dass das entsprechende stöchiometrische Mischungsverhältnis strikt eingehalten wird. Bei zu wenig Härter im Stammlack kommt es zur Untervernetzung und aufgrund niedriger Vernetzungsdichte zur Verringerung der Härte-, Wetter- oder Chemikalienbeständigkeit. Im Gegensatz zur Untervernetzung kann es bei zu hoher Dosierung des Härters zur Übervernetzung und Veränderung der gewünschten Anforderungen kommen.

Spezifikationen und “Einbrennbedingungen”

Damit ein Beschichtungsstoff “trocknen” und “aushärten” kann, wird meist Energie durch Wärmeträger wie beispielsweise Infrarot-Trocknung, UV-Trocknung verwendet. Werden die für das Lacksystem vorgegebenen Bedingungen im Einbrennprozess nicht erreicht, so kann es durch „Überbrennen“ zu schwerwiegenden Eigenschaftsveränderungen im gesamten Prozess kommen. Es kommt zu Blasen- und Kocherbildungen, Vergilbung und Farbtonveränderungen. Daher müssen die Spezifikationen im Datenblatt des jeweiligen Lackherstellers strikt eingehalten werden.


mehr

Es werden alle 2 Ergebnisse angezeigt